Aufstiegsfeier.

Dass in meiner geliebten Stadt seit dem mauen Spiel mit gutem Ausgang in Sandhausen positiver Ausnahmezustand herrscht, dürfte sich dann deutschlandweit herumgesprochen haben.

Unglaubliche 40.000 kolportierte Menschen wollten an diesem denkwürdigen Montag Nachmittag, dem 22. Mai im Jahre 2017, die doch alkoholisch und artikulativ stark angeschlagenen Aufstiegshelden sehen und höre. Mit allem, was dazugehörte, alkoholbenebelten Geständnissen der Protagonisten auf dem Rathaus-Balkon („Scheiss Braunschweig!“) und viel Nichts-zu-sagen-aber-lasst-uns-Party-machen-wir-sind-glücklich.. 🙂

Rahmenprogramm auch mit Fury in the Slaughterhouse und anderen lokalen Bands ordentlich Mitsing-tauglich bestückt und dazu noch Götterwetter.

In diesem Sinne lässt es Hannover krachen, solange es mal geht und geniesst die Rückkehr in das Oberhaus des deutschen Fussballs: Humpa Humpa Humpa, täterääää….

Der Tatort: Meine 2 Cent zu „Die Liebe, ein seltsames Spiel“ (München).

Wieder Sonntag. Wieder Tatort. Wieder.. München? Gefühlt waren die Münchner Kollegen (sowohl vom Tatort als auch die vom Polizeiruf 110) in den letzten Wochen mehrfach dran. Aber sei es drum.

Ein ruhiger Einstieg, während der Eine verkuppelt werden soll, vergnügt sich der Andere. Und dann kommt der, in diesem Falle die übliche Tote „dazwischen“, und zunächst nimmt die normale Ermittlung – Selbstmord? Mord? – ihren Lauf. Übliche leichte, eheähnliche Zickereien der beiden Kommissare inklusive.

Stilistisch wie mittlerweile gewohnt auf gutem Niveau gefilmt, und alles sehr stimmig in Szene gesetzt, allerdings wieder eher schleppend als spannend inszeniert, wenn auch mit dem feinen Humor gespickt, der den Münchner Tatort oft auszeichnet.

Schnell wird klar, dass der Verdächtige mehrere Damen „am laufen“ hatte bzw. hat, was sein durchaus vorhandenes Alibi schnell sprengt. Dazu kommt, dass die Verblichene auch noch schwanger war. Es wird nichts ausgelassen, die Ermittlungen lassen schnell erahnen: hier wird es etwas komplizierter mit vielen Verstrickungen der beteiligten Protagonisten.

In der Tat wird es etwas unübersichtlich, mit wem der Verdächtige wann genau wie lange zusammen war. Im doppelten Sinne, denn offenbar war er „Lebensgefährte“ gleich mehrerer Frauen. Klingt äusserst anstrengend… und ist es auch für den Zuschauer, der geneigt ist, sich mit einer Skizze zu behelfen, um das Beziehungsgeflecht überblicken zu können.

Es zieht sich. Alle sind etwas genervt, nachbarliche Neugierde gepaart mit leicht seniler Fantasie (oder doch nicht?!) trifft auf spionenhaftes Verhalten betroffener Damen. Aber nach und nach kommen die Herren von der Kripo weiter mit den Spuren, die Ermittlungsarbeit und die amourösen Side-by’s von Kollege Batic zumindest laufen. Mehr und weniger zufriedenstellend.

Die „Aussprachen“ laufen dann etwas zu einfach. Wer jemals eine ernsthafte Beziehung geführt hat, weiss, dass das so in 60sekündiger Klärung schwersten Vertrauensmissbrauchs im Leben nicht klärbar ist. Nun ja.

Auch die Rolle der Assistentin/Mitarbeiterin des Verdächtigen ist lange unklar; ist sie auch verliebt in ihn? Sogar verwickelt? Auf jeden Fall keine einfache Mitarbeiterin, dafür ist sie etwas zu engagiert in allen Belangen.

Dann stirbt die nächste der liierten Damen. Und eine weitere gibt ihm ein (falsches) Alibi.. da behalten selbst die Herren Kommissare nicht mehr den Überblick: drei oder vier Lebensgefährtinnen?! Dann stellt sich heraus: gar fünf sind es! Zunehmend anstrengend, leider kommt krimimässige Spannung nach wie vor trotzdem eher nicht auf.

Wie immer klärt sich nach und nach alles zu einem schwierigen Thema auf: Polyamorie – also die Beziehung zu mehreren Menschen gleichzeitig, ist sicherlich medizinisch-wissenschaftlich beleuchtet, hier jedoch einfach verwendet, was natürlich in Ordnung ist, im Krimi-Zusammenhang jedoch zu „seicht behandelt“ aussieht. Aber gut.

Letztlich löst sich der Fall dem Tatort-Naturgesetz folgend auf; die besagte Assistentin hat sich alibiseitig aufgeopfert – zumindest aus ihrer Sicht – den geliebten Menschen und achsoguten Vorgesetzten retten wollen. Vor allem, vor allen, vor nichts. Okay soweit. Die Lösung war denn aber nachbarschaftlich, und der Grund zumindest des ersten Mordes sehr profan: man wollte die Wohnung haben. Aha. Aber nochmal: Okay.

Die Überführungsszene ist denn zumindest nett gemacht und hat etwas von kriminalistischer Kunst. Und am Ende waren es die Nachbarn. Zumindest zum Teil. Ach je..

Langer Rede..: war okay, mehr Film als Krimi. Eine knappe 3 für mich in Schulnoten, nicht mehr. Und es darf jetzt auch gern mal wieder jemand aus einer anderen Stadt ran.

Sind ja aber auch wie immer nur meine 2 Cent.

Polizeiruf 110: Meine 2 Cent zu „Muttertag“ (Uckermarck).

Und noch ein Polizeiruf. Und noch mal mit einem mir äusserst sympathischen Team, auch wenn ich den guten alten Krause vermisse. Aber das Team um die Lenski und Kollege Raczek schau‘ ich gern.

Fängt mit ein bissel persönlicher Tüddelei an, aber auch krimimässig musikalisch untermalt. Lässig und sachlich. Und doch mit der latenten deutsch-polnischen (Un-)Verbundenheit, bei der man nicht weiss, ob wirklich alle „an einem Strang“ ziehen. Sehr ländlich, sehr charming – weil genau so vorstellbar. Dorfkrimi gefühlt, mit allen Klischees.

Dann geht es los, mit richtiger, leider nicht mehr regelmässig gesehener, klassischer Ermittlerarbeit, während der geneigte Zuschauer parallel erfährt, was passiert sein könnte. Immer der Reihe nach, viele Fragen, in wirklich gut eingefangenen Bildern. Der Polizeiruf macht Spass, auch wegen der teilweisen Groteske der „Ureinwohner“. Keine Spur von blühenden Landschaften.

Die persönlichen Problem und Gefühle von Frau Lenski werden währenddessen geschickt eingewoben, ohne wie bei vielen Tatorten zuviel Platz einzunehmen. So geht das auch, und zwar sehr gut! Und sie ist hin- und hergerissen, zwischen persönlicher Situation und ihrem klar-sachlichen Pflichtbewusstsein, aber legt die Prioritäten klar auf eine Sache. Was dem Polizeiruf sehr zuträglich ist.

Was ich erwähnen sollte: ausnahmslos gute Schauspieler in diesem Polizeiruf. Ja, darauf leg‘ ich wert und finde das wichtig. Und auch das unausgegorene Spielchen zwischen den Kollegen Lenski und Raczek ist sachlich-niedlich und situativ nett eingebaut.

Die persönlichen und dienstlichen Dinge vermischen sich, auch, was die Situation mit Frau Lenski und ihrer Tochter angeht, der Fall läuft – natürlich – weiter. Und dann kommt raus, dass Kollege Raczek quasi dieselben Probleme hat, ohne dass es bekannt war. Und das machts nicht einfacher, muss aber hinten an stehen.

Selbstverständlich löst sich alles auf. Und entpuppt sich fast eher als Drama denn als Krimi. Mit fast-souveränen Kommissaren, wenn es um die Befindlichkeiten der Betroffenen geht – und dazu führt, dass alle ihre Position noch mal überdenken. Und so zur Lösung des Falls zu kommen und den verschwundenen, gefühlt schon Teil-entlasteten Täter überführen; und trotz der ungewollt-witzigen kommentare von Kollege Wolle am Ende trotz aller Nachvollziehbarkeit zu verhaften. Sogar mit aller gebotenen Konsequenz auch den Familienmitgliedern gegenüber. Und einem überraschenden Freundschafts-Angebot unter Kollegen am Schluss.

Ein guter, klassischer Hinterwäldler-Krimi. Ich mag so was. Mit allen Marotten der dargestellten Typen, nicht laut, aber gut. 

Für mich eine glatte 2. Gerade und wegen der nachvollziehbaren Kleinigkeiten und der echt tollen Schauspieler-Riege.

Und auch, weil es eben nur meine 2 Cent dazu sind.

So klein. So groß!

Meine Vorliebe für die etwas härtere Gangart im Bereich meiner musikalischen Präferenzen dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Nun ist man ja immer mal wieder dabei, in älteren Songs zu „schwelgen“, und YouTube ist hilfreich beim schnellen Auffinden, wenn man denn auch das Video dazu mal wieder schauen möchte.

Und manchmal entdeckt man dabei die erstaunlichsten Leistungen. So wie bei zwei meiner alten Lieblingssongs. Von einer 5(!)jährigen. Sehet und staunet:

Polizeiruf 110: Meine 2 Cent zu „Nachtdienst“ (München)

Heute dann also ein Polizeiruf statt des Tatorts. Bin ich nicht böse drum; in aller Regel waren diese tatsächlich in den vergangenen Monaten eher die besser inszenierten Sonntagabend-Krimis.

Die Münchner Ausgabe mit von Meuffels ist da fast zu erwartend immer gut. Finde ich. Und auch dieser Polizeiruf fängt bildlich und musikalisch wie eine Komposition an. Mir prima Kameraführung und echt guten Schauspielern. Ein bisschen trübselig, fast depressiv anmutend. Und obwohl allen klar ist, dass die auslösende Person natürlich etwas Wahres erzählt, ist alles auf Zweifel ausgelegt. So weit, so gut… und etwas, nun ja, „langsam“ und gähn…

Von Meuffels nimmt jedenfalls aus Bauchgefühl die Ermittlungen eines zumindest fragwürdigen tödlichen Verbrechens auf. Und sticht erwartungsgemäss ins Schwarze. Und dann nimmt die Nummer – langsam – Fahrt auf: ein Quasi-Kammerspiel in der Demenzeinrichtung entwickelt sich, aber Spannung bleibt aus, trotz guter Akteure.

Als die vorher gefundenen Blutspritzer plötzlich nicht mehr existieren, geht es dann endlich los, mit der grossen Kompanie – denn es ist klar, hier stimmt was nicht. Und die sozialkritischen Untertöne zum Personalmangel in der Pflege sind sehr vordergründig und haben hier viel Platz (auch, wenn das sicher stimmt!). Und trotzdem noch zu viel gähn.

Mittendrin formuliert es der „J.“ aus meiner Tatort-Gruppe treffend: „Der Polizeiruf ist schlimmer als schlecht. Der ist egal.“ Leider wahr. Auch die Einlagen von Meuffels‘ beim Versuch, das vermeintliche Verbrechen nachzuvollziehen, sind eher eine Unterbrechung des gemächlich-langweiligen Fortgangs. Man hatte unwillkürlich den Reflex, mal zu schauen, ob es etwas Interessanteres gibt. Eine Doku über Nacktschnecken am Meeresboden. Oder so. Zum Beispiel.

Ein Insasse hat es schön formuliert: „Meist schafft man es hier nur mit viel Alkohol und Morphium.“ Ja. Stimmt. Leider.

Ich mache es jetzt kurz: selbst der etwas verkrampfte Versuch, unterstützt durch musikalische Untermalung, Spannung durch Druck auf Personen aufzubauen, misslingt hier leider völlig. Und fast natürlich wurden die Ungeheuerlichkeiten im Heim nach und nach deutlich. Aber: Es war und blieb ein bemüht-langweiliger Polizeiruf. Auch die Auflösung abstrus und wirklich arg schön konstruiert, wie gesagt trotz guter schauspielerischer Leistungen.

Alles in allem: ein enttäuschender Münchner Polizeiruf. Langweilig, schleppend, spannungslos. Für mich nur aufgrund der guten Schauspieler ein gute 5. mehr leider nicht. Schade.

Aber ja auch nur meine 2 Cent. Gute Nacht.

Der Tatort: Meine 2 Cent zu „Der Tod ist unser ganzes Leben“ (München).

München. Also erwartet gewohnt-gute bis sehr gute Hausmannskost. Zumindest beim Tatort. Und bis heute.

Ein mal kammerspielartiger, mal in Rückblenden erzählter (Psycho-)Thriller, der geschickt erst Fragen über Fragen zum eigentlich doch vertrauten Münchner Team aufwirft und den Zuschauer geschickt zweifeln lässt. Mit einer auch noch gut durchdachten, denkbaren Story, nachvollziehbar ge- und überreizten Hauptdarstellern inmitten einer sich anbahneneden Katastrophe, auf den die Protagonisten zunächst zusteuern.

Nur nach und nach löst sich auf, was wie miteinander zusammen hängt, wer die Wahrheit sagt und was ist und/oder sein könnte. Wahrlich krimihaft gut.

Sogar die Hintergrundmusik und der bisher eher blass im Hintergrund agierende Assi werden geschickt eingesetzt, laufen zur Hochform auf, rekonstruieren sinnvoll und versucht neutral – und führen den Zuschauer damit weiter auf dem Weg von Zweifeln, was unsere Tatort-Helden (immerhin seit 26 Jahren zusammen in M. aktiv!) angeht… und das noch stilistisch total stimmig in Szene gesetzt. 

Highlight ist der ironisch-grimmige Beginn der „Aussprache“ der beiden Haudegen im Krankenehaus, als Leitmayr den Kollegen Batič in die Mangel nimmt. Und der Beschuldigte statt Antworten zu liefern moralische Fragen aufwirft. Und das noch zurecht. Und begleitet von einem machtlosen Streit der Kommissare, in dem Leitmayr zwischen ‚Ichwillesglauben‘ und ‚Ichkannesnichtglauben‘ schwankt. Grosses Kino!

Nach und nach klärt sich dann die Verbindung der beteiligten Personen auf, und natürlich ist es letzten Endes anders, als zunächst dargestellt und vermutet. Und einfach nur richtig gut gemacht, auch wenn dem Thriller-Tatort die letzten 20 Minuten die Luft ein wenig ausgeht, weil man es nach der Ermittlungsfolge vermuten konnte.

Und der Zuschauer wird mal wieder zwischen die Fronten des sehr verständlichen, aber moralisch fragwürdig-falschen Verhaltens geschickt. Und hadert mit sich selbst: denn was hätte man getan, wenn man selbst betroffen gewesen wäre? Und die Antwort ist einfach, und folgerichtig nahm die Katastrophe ihren Lauf…

Ein Spitzen-Tatort, ohne Frage. Schauspielerisch sehr gut, stilistisch grossartig, nachvollziehbar und mit allem, was man für einen guten Thriller braucht. Dazu die Frage nach Moral und ihrem Sinn, Gut/Böse…

Für mich eine klare, glatte Eins in Noten. 

Und ohne Zweifel, dass der Münchner Tatort auch nach 26 Jahren noch lange, lange keine altes Eisen ist! Aber sind ja auch nur meine 2 Cent…

Musikgeschmack.

Man kann ja über Musik und persönliche Vorlieben vortrefflichst streiten. Ich bin da eher bei der härteren Gangart zu Hause. Und wem es geht wie mir, für den hab ich da ein Leckerli bei unser aller Lieblings-Videoportal „entdeckt“ – zumindest für mich. Das muss man schon können…

Viel Spaß 😎